Das sind die Forderungen der Apothekerschaft
In Deutschland versorgen mehr als 16.000 Apotheken täglich etwa drei Millionen Menschen. Diese Apotheken mit ihren knapp 160.000 Arbeitsplätzen – darunter rund 53.000 Apothekerinnen und Apotheker - sind ein unverzichtbarer Bestandteil der wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Denn nur die Vor-Ort-Apotheken bieten Leistungen wie individuelle Arzneimittelherstellungen, Medikationsanalysen, Beratung zu Selbstmedikation, Botendienste, Nacht- und Notdienste sowie pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) an.
Doch die Apotheken stehen unter immensem Druck. Eine langjährige Sparpolitik der vergangenen Bundesregierungen hat zu einem stetigen Rückgang der Apothekenzahl geführt. Während die Kosten der Apotheken seit 2013 um 73 Prozent geklettert sind, wurde das Fixhonorar bis zum Sommer 2026 kein einziges Mal angepasst. Daraus resultiert ein dramatisches Apothekensterben: Seit 2013 ist die Apothekenzahl um knapp 20 Prozent zurückgegangen. Immer mehr Menschen müssen daher weitere Wege zur nächsten Apotheke zurücklegen. In den meisten EU-Staaten gibt es inzwischen eine höhere Apothekendichte als in Deutschland.

Trotzdem sind und bleiben die Apotheken eine unverzichtbare Versorgungsinstanz: Eine repräsentative forsa-Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 96 Prozent der Deutschen die Apotheken als „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ einstufen. Rund zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) gibt zudem an, die Apotheken regelmäßig zu nutzen. Mit Blick auf den demografischen Wandel, den medizinischen Fortschritt und die Digitalisierung des Gesundheitswesens werden die heilberuflichen Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker in Zukunft sogar noch mehr gebraucht. Gegenüber Gesellschaft und Politik stellt die Apothekerschaft daher folgende Forderungen auf:
Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des inhabergeführten Apothekenbetriebs
Für die Erhaltung einer hochwertigen, persönlichen Versorgung mit Arzneimitteln – flächendeckend und wohnortnah – in den Apotheken vor Ort, braucht es eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Apotheken. Nur so werden junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten weiterhin bereit sein, sich der Herausforderung der Selbstständigkeit zu stellen. Dies beinhaltet neben der inzwischen erfolgten Erhöhung des Fixhonorars insbesondere eine regelhafte Dynamisierung des Honorars, die Planungssicherheit gibt. Denn: Die Apotheken dürfen nicht noch einmal 13 Jahre lang von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung abgekoppelt werden. Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) wurde die Basis für solche Dynamisierungsverhandlungen mit den Krankenkassen geschaffen. Wichtig ist, dass die Apotheken aus diesen Verhandlungen stärkt und stabilisiert hervorgehen, damit sie ihren Versorgungsaufgaben weiterhin zuverlässig nachkommen können.
Stärkere Nutzung der Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker, um das Gesundheitssystem für die Zukunft resilient aufzustellen
Apotheken vor Ort stehen bereit, sich dem stetig zunehmenden Bedarf an heilberuflicher Beratung und Dienstleistungen anzunehmen. Gleichzeitig können sie in Zeiten überlasteter Versorgungsstrukturen als niedrigschwellige Anlaufstelle durch Erbringung von zusätzlichen Leistungen in der Begleitung der Arzneimitteltherapie, der Prävention und der Diagnostik einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitssystems leisten. Der Gesamtvorstand der ABDA hat dazu im Jahr 2025 das Positionspapier „In eine gesunde Zukunft mit den Apotheken“ verabschiedet. Im Juni 2026 hatte der ABDA-Gesamtvorstand ein weiteres Positionspapier vorgestellt, in dem konkrete Vorschläge dazu gemacht werden, wie die Kompetenzen der Apothekenteams noch intensiver in der Primärversorgung genutzt werden könnten. Denn klar ist auch: Nicht nur die Patientinnen und Patienten profitieren von einer umfassenden Beratung in den Apotheken. Für junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten wächst zudem die Attraktivität der Arbeit in der Apotheke vor Ort, wenn es größere pharmazeutische Entscheidungsspielräume, mehr Versorgungsaufgaben und weniger Bürokratie gibt.
Mit dem im Sommer 2026 beschlossenen Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) wurden in diesen Bereichen wichtige Weichen gestellt, damit die Apotheken künftig eine noch größere Rolle in der Gesundheits- und Arzneimittelversorgung einnehmen können. Aufgrund von pharmazeutischen und juristischen Prozessen und Fristen werden viele Neuerungen jedoch erst ab 2027 ihre volle Wirkung in den Apotheken entfalten können.