Beispielrechnung: Fertigarzneimittel und Rezepturen

Der Abgabepreis eines rezeptpflichtigen Arzneimittels und das apothekerliche Honorar richten sich nach den gesetzlichen Vorgaben der Arzneimittelpreisverordnung. Zur finanziellen Entlastung der Krankenkassen hat der Gesetzgeber Abschläge und Rabatte sowie Zuzahlungen der Versicherten vorgesehen.

Die nachfolgende Beispielrechnung für ein Fertigarzneimittel verdeutlicht, wie sich der sogenannte Apothekenverkaufspreis zusammensetzt und von den effektiven Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherun (GKV) unterscheidet. Allerdings handelt es sich hierbei nur um eine Musterrechnung ohne Allgemeingültigkeit, da z.B. die prozentuale Höhe des Herstellerabschlages oder die Höhe der Patientenzuzahlung variieren können.

Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU)50,00 Euro
+ Großhandelshöchstzuschlag (3,15 % auf ApU + 0,70 Euro)2,28 Euro
= Apothekeneinkaufspreis (AEP)52,28 Euro
+ Apothekenzuschlag (3 % auf AEP + 8,35 Euro)9,92 Euro
+ Notdienstzuschlag (0,21 Euro)0,21 Euro
= Netto-Apothekenverkaufspreis (Netto-AVP)62,41 Euro
+ Mehrwertsteuer (16 % auf Netto-AVP)9,99 Euro
= Apothekenverkaufspreis (AVP)72,40 Euro
- Gesetzliche Zuzahlung des Versicherten (10 % vom Brutto-AVP)7,24 Euro
- Gesetzlicher Apothekenabschlag (1,77 Euro)1,77 Euro
- Gesetzlicher Herstellerabschlag* (7 % vom ApU)3,50 Euro
= effektive Ausgaben der GKV (evt. Rabattvertrag unberücksichtigt)59,89 Euro

*Der Herstellerabschlag für nicht-festbetragsgebundene Arzneimittel beträgt 7 Prozent; für festbetragsgebundene Medikamente dagegen grundsätzlich 10 Prozent.

Im Gegensatz zu der Preisbildung von Fertigarzneimitteln werden Rezepturen anders berechnet. Gemäß § 5 Arzneimittelpreisverordnung setzt sich die Rezepturentgeltung für Apotheken bei Standardrezepturen aus drei Komponenten zusammen: 1. einem Festzuschlag von 90 Prozent auf die Apothekeneinkaufspreise (ohne Umsatzsteuer) für Stoffe und erforderliche Verpackung, 2. einem Rezepturzuschlag für die Herstellung, 3. einem Fixentgelt von 8,35 Euro für Abgabe und Beratung. Mit dem Inkrafttreten des Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetzes (AM-VSG) im Mai 2017 wurden der Rezepturzuschlag angepasst und das Fixentgelt - analog zu den Fertigarzneimitteln - eingeführt. Der Rezepturzuschlag beläuft sich, je nach Art und Menge der Rezepturbestandteile, auf 3,50 Euro, 6,00 Euro oder 8,00 Euro.

Beispiel für eine verschreibungspflichtige Salbe (100 g):

Apothekeneinkaufspreis (AEP) für Wirkstoff (1 g Pulver), Grundlage (99 g Salbengrundlage) und Gefäß (1 Spenderdose für 100 g)5,00 Euro
+ Festzuschlag (90 % auf AEP)4,50 Euro
+ Rezepturzuschlag für Herstellung (6,00 Euro bei Anfertigung von Salben bis 200 g)6,00 Euro
+ Fixentgelt8,35 Euro
= Netto-Apothekenverkaufspreis (Netto-AVP)23,85 Euro
+ Mehrwertsteuer (16 % auf Netto-AVP)3,82 Euro
= Apothekenverkaufspreis (AVP)27,67 Euro
- Gesetzliche Zuzahlung des Versicherten (10 % vom AVP, mindestens aber 5 Euro)5,00 Euro
- Gesetzlicher Apothekenabschlag (1,77 Euro)1,77 Euro
= effektive Ausgaben der GKV20,90 Euro

Stand: vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 (Zur Stärkung der Wirtschaft während der Corona-Krise hat der Gesetzgeber für das 2. Halbjahr 2020 eine Absenkung des Mehrwertsteuer-Regelsatzes von 19 % auf 16 % beschlossen.)

Die Bedeutung des Zwangsrabatts der Apotheken zu Gunsten der Krankenkassen darf nicht unterschätzt werden. Von den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung erhält die Apotheke in o.g. Beispiel nur einen geringen Anteil als Honorierung ihrer Leistungen.

Beispielrechnung vor Absenkung des Mehrwertsteuer-Regelsatzes von 19 % auf 16 %
Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU)50,00 Euro
+ Großhandelshöchstzuschlag (3,15 % auf ApU + 0,70 Euro)2,28 Euro
= Apothekeneinkaufspreis (AEP)52,28 Euro
+ Apothekenzuschlag (3 % auf AEP + 8,35 Euro)9,92 Euro
+ Notdienstzuschlag (0,21 Euro)0,21 Euro
= Netto-Apothekenverkaufspreis (Netto-AVP)62,41 Euro
+ Mehrwertsteuer (19 % auf Netto-AVP)11,86 Euro
= Apothekenverkaufspreis (AVP)74,27 Euro
- Gesetzliche Zuzahlung des Versicherten (10 % vom Brutto-AVP)7,43 Euro
- Gesetzlicher Apothekenabschlag (1,77 Euro)1,77 Euro
- Gesetzlicher Herstellerabschlag* (7 % vom ApU)3,50 Euro
= effektive Ausgaben der GKV (evt. Rabattvertrag unberücksichtigt)61,57 Euro

*Der Herstellerabschlag für nicht-festbetragsgebundene Arzneimittel beträgt 7 Prozent; für festbetragsgebundene Medikamente dagegen grundsätzlich 10 Prozent.

Beispiel für eine verschreibungspflichtige Salbe (100 g):

Apothekeneinkaufspreis (AEP) für Wirkstoff (1 g Pulver), Grundlage (99 g Salbengrundlage), Gefäß (1 Spenderdose für 100 g)5,00 Euro
+ Festzuschlag (90 % auf AEP)4,50 Euro
+ Rezepturzuschlag für Herstellung (6,00 Euro bei Anfertigung von Salben bis 200 g)6,00 Euro
+ Fixentgelt8,35 Euro
= Netto-Apothekenverkaufspreis (Netto-AVP)23,85 Euro
+ Mehrwertsteuer (19 % auf Netto-AVP)4,53 Euro
= Apothekenverkaufspreis (AVP)28,38 Euro
- Gesetzliche Zuzahlung des Versicherten (10 % vom AVP, mindestens aber 5 Euro)5,00 Euro
- Gesetzlicher Apothekenabschlag (1,77 Euro)1,77 Euro
= effektive Ausgaben der GKV21,61 Euro

Stand: 1. Januar 2020 bis 30. Juni 2020 und ab 1. Januar 2021