Medikamentenmissbrauch

Arzneimittel beeinflussen die Körperfunktionen und können grundsätzlich missbräuchlich verwendet werden. Nach Schätzungen sind in Deutschland etwa 1,9 Millionen Menschen arzneimittelabhängig. Begünstigt wird der unkontrollierte und nicht-bestimmungsgemäße Gebrauch über einen erleichterten Zugang – zum Beispiel über das Internet.

Etwa 4 bis 5 Prozent aller häufig verordneten Arzneimitteln wird ein besonderes Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial zugeschrieben. Ein Drittel dieser Medikamente, wie zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel oder Schmerzmittel, werden nicht zur akuten Behandlung von Erkrankungen, sondern zur Suchterhaltung und Vermeidung von Entzugssymptomen angewendet. Aber auch nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel wie zum Beispiel Schmerzmittel werden missbräuchlich angewendet.

Das Gefährdungspotenzial von Medikamenten wird von vielen Patienten nicht ernst genommen. Beispielsweise hat knapp jeder fünfte Bundesbürger schon einmal ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ohne medizinische Notwendigkeit und nur zur Verbesserung seines persönlichen Wohlbefindens eingenommen – zum Beispiel um geistig oder körperlich leistungsfähiger zu sein oder besser auszusehen. Rezeptfreie Arzneimittel hat sogar fast jeder dritte Bundesbürger schon einmal zur Steigerung des Wohlbefindens eingenommen. Deshalb sind individuelle Beratung und Aufklärung durch qualifiziertes pharmazeutisches Personal und eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit der Heilberufe wichtiger denn je.

Apothekerinnen und Apotheker engagieren sich seit vielen Jahren gegen Arzneimittelmissbrauch und -abhängigkeit. 2018, 2011 und 2008 wurden interdisziplinäre Symposien dazu durchgeführt. 2014 wurde ein bundesweit beachtetes Modellprojekt zur Bekämpfung von Missbrauch bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln vorgestellt.

Weiterführende Informationen interdisziplinärer Symposien der Bundesapothekerkammer

Veranstalter waren neben der ABDA der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB).

Ambulanter Entzug von Benzodiazepinen in Zusammenarbeit von Apotheker und Hausarzt
Dr. Ernst Pallenbach

Medikamente: Schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit. Leitfaden für die ärztliche Praxis
Dr. med. Constanze Jakobowski, Mitglied im Ausschuss „Sucht und Drogen“ der Bundesärztekammer

Arzneimittelmissbrauch - Fakten und Herausfoderungen