Das sind die Forderungen der Apothekerschaft
In Deutschland versorgen mehr als 16.000 Apotheken täglich etwa drei Millionen Menschen. Diese Apotheken mit ihren mehr als 160.000 Arbeitsplätzen – darunter rund 53.000 Apothekerinnen und Apotheker - sind ein unverzichtbarer Bestandteil der wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Denn nur die Vor-Ort-Apotheken bieten Leistungen wie individuelle Arzneimittelherstellungen, Medikationsanalysen, Beratung zu Selbstmedikation, Botendienste oder Nacht- und Notdienste an.
Doch die Apotheken stehen unter immensem Druck. Eine langjährige Sparpolitik der vergangenen Bundesregierungen hat zu einem stetigen Rückgang der Apothekenzahl geführt. Während die Kosten der Apotheken seit 2013 um 65 Prozent geklettert sind, wurde das Fixhonorar der Betriebe kein einziges Mal angepasst. Daraus resultiert ein dramatisches Apothekensterben: Seit 2013 ist die Apothekenzahl um knapp 20 Prozent zurückgegangen. Immer mehr Menschen müssen daher weitere Wege zur nächsten Apotheke zurücklegen. In den meisten EU-Staaten gibt es inzwischen eine höhere Apothekendichte als in Deutschland.

Trotzdem sind und bleiben die Apotheken eine unverzichtbare Versorgungsinstanz: Eine repräsentative forsa-Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 96 Prozent der Deutschen die Apotheken als „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ einstufen. Rund zwei Drittel der Befragten gibt zudem an, die Apotheken regelmäßig zu nutzen. Mit Blick auf den demografischen Wandel, den medizinischen Fortschritt und die Digitalisierung des Gesundheitswesens werden die heilberuflichen Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker in Zukunft sogar noch mehr gebraucht. Gegenüber Gesellschaft und Politik stellt die Apothekerschaft daher folgende Forderungen auf:
Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des inhabergeführten Apothekenbetriebs
Für die Erhaltung einer hochwertigen, persönlichen Versorgung mit Arzneimitteln – flächendeckend und wohnortnah – in den Apotheken vor Ort, braucht es eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Apotheken. Nur so werden junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten weiterhin bereit sein, sich der Herausforderung der Selbstständigkeit zu stellen. Dies beinhaltet insbesondere eine angemessene Anhebung und regelhafte Dynamisierung des Honorars, die Planungssicherheit gibt. Das seit mittlerweile 13 Jahren eingefrorene Honorar muss an die wirtschaftliche Gesamtentwicklung angepasst werden.
Stärkere Nutzung der Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker, um das Gesundheitssystem für die Zukunft resilient aufzustellen
Apotheken vor Ort stehen bereit, sich dem stetig zunehmenden Bedarf an heilberuflicher Beratung und Dienstleistungen anzunehmen. Gleichzeitig können sie in Zeiten überlasteter Versorgungsstrukturen als niedrigschwellige Anlaufstelle durch Erbringung von zusätzlichen Leistungen in der Begleitung der Arzneimitteltherapie, der Prävention und der Diagnostik einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitssystems leisten. Der Gesamtvorstand der ABDA hat dazu im Jahr 2025 das Positionspapier „In eine gesunde Zukunft mit den Apotheken“ verabschiedet. Für junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten wächst zudem die Attraktivität der Arbeit in der Apotheke vor Ort, wenn es größere pharmazeutische Entscheidungsspielräume, mehr Versorgungsaufgaben und weniger Bürokratie gibt.
Diese beiden Kernforderungen tragen die ABDA, ihre Kammern und Verbände sowie der gesamte Berufsstand seit Beginn der laufenden Legislaturperiode des Bundestages mit besonderer Dringlichkeit vor. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD aus dem Mai 2025 ist eine Erhöhung des Festhonorars bei jedem rezeptpflichtigen Medikament von 8,35 Euro auf 9,50 Euro fest vorgesehen. Der Kabinettsbeschluss vom 17. Dezember 2025 zum Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) und zu entsprechenden Verordnungen hat diese Honorarerhöhung jedoch nicht umgesetzt – und lässt auch in Bezug auf andere apothekenrechtliche Neuregelungen zu wünschen übrig. Parallel zum Gesetzgebungsverfahren im Bundestag und zum Notifizierungsverfahren der EU-Kommission findet deshalb ein Frühling der Proteste in den Apotheken und in der Öffentlichkeit statt – mit der Nulltarif-Kampagne seit Ende Januar 2026, einer Online-Petition seit Februar 2026, einer Resolution der Mitgliederversammlung am 25. Februar 2026 und einem bundesweiten Protesttag am 23. März 2026 mit Kundgebungen, Demonstrationen und Apothekenschließungen. Genauere Bewertungen und weitere Aktivitäten zu einer der größten Apothekenreformen der vergangenen Jahrzehnte werden folgen.

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ABDA-Präsident Thomas Preis hat eine schnelle wirtschaftliche Stärkung der Apotheken gefordert. "Wir haben das große Glück, dass das im Koalitionsvertrag festgelegt ist, sogar in Euro und Cent. Deshalb ist unsere klare Forderung: Die Erhöhung des Fixhonorars muss jetzt sofort kommen", sagte Preis in einem Videointerview mit dem ABDA-Newsroom, das sich in erster Linie an alle Apothekenteams richtet.