dpa: Francke informiert über assistierte Telemedizin
Seit dem heutigen 1. Juli dürfen Apotheken Lösungen zur assistierten Telemedizin anbieten. Darauf hat Dr. Jan-Niklas Francke, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa (30. Juni 2026) hingewiesen.
Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die Unterstützung bei der Nutzung von Videosprechstunden benötigen. In der Apotheke wird dafür ein separater Raum bereitgestellt, in dem Patientinnen und Patienten mithilfe des Apothekenteams die technische Verbindung zu einer Arztpraxis herstellen können, berichtet dpa. "In dem Moment, in dem die Sprechstunde startet, führen Sie die dann alleine durch - es sei denn, Sie brauchen Hilfe", sagt Francke.
Die Kosten für die assistierte Telemedizin werden sowohl von Krankenkassen als auch von privaten Krankenversicherungen übernommen. Voraussetzung ist der Nachweis des Versicherungsstatus, beispielsweise durch die elektronische Gesundheitskarte. Diese spielt auch bei der weiteren Versorgung eine wichtige Rolle: Wird in der Videosprechstunde ein Medikament verordnet, kann es als E‑Rezept direkt im Anschluss in der Apotheke eingelöst werden.
Das Angebot richtet sich auch gezielt an Menschen mit Einschränkungen, etwa mit Seh- oder Hörbehinderungen. Zudem soll es in Situationen unterstützen, in denen eine ärztliche Einschätzung kurzfristig erforderlich ist.
"Dringende Fälle", wie Francke sie nennt, sollen ebenfalls von dem Angebot profitieren. "Es kommen ja Menschen mit vermeintlich leichten Beschwerden in die Apotheke. Fragt man dann weiter nach, merkt man manchmal, dass ein gesundheitliches Problem dahinterstecken könnte, das ärztlich abgeklärt werden sollte." Ist die nächste Arztpraxis weit weg oder hat bereits geschlossen, soll die assistierte Telemedizin auch hier zum Einsatz kommen. "In solchen Fällen wollen wir ermöglichen, unmittelbar einen Arzt zu erreichen, um abzuklären, ob es ein Notfall ist."
Francke geht davon aus, dass die assistierte Telemedizin "einige Wochen bis wenige Monate" benötigen wird, um sich flächendeckend aufzubauen. Zum Start könnten "einige hundert" Apotheken teilnehmen.