ABDA-KBV-Modell/ARMIN

© Kadmy - Fotolia.com

Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben ein gemeinsames Zukunftskonzept für eine patientengerechte Arzneimittelversorgung entwickelt, das „Zukunftskonzept Arzneimittelversorgung“, oder kurz das ABDA-KBV-Modell. Das ABDA-KBV-Modell setzt sich aus drei Modulen zusammen: der Wirkstoffverordnung, dem Medikationskatalog und dem Medikationsmanagement.
 
Die Wirkstoffverordnung sieht vor, dass Ärzte zukünftig Wirkstoff, Stärke, Menge und Darreichungsform verordnen, statt eines Präparats eines bestimmten Herstellers. Der Apotheker wählt das Präparat aus und gibt es nach einer Beratung an den Patienten ab.
 
Der Medikationskatalog unterstützt eine leitliniengerechte Versorgung, indem er auf Wirkstoffbasis Standard- und Reservewirkstoffe für versorgungsrelevante Indikationen festlegt.

Das Medikationsmanagement richtet sich an chronisch kranke Patienten, die  fünf oder mehr systemisch wirkende Arzneimittel dauerhaft einnehmen. Jeweils ein Arzt und ein Apotheker übernehmen für ein Jahr gemeinsam die Betreuung. Kernstück ist hierbei ein vollständiger und aktueller Medikationsplan für den Patienten, der ihm genau anzeigt, welches Arzneimittel er in welcher Dosierung wann und wie lange einnehmen soll. Arzneimittelrisiken lassen sich so besser vermeiden.
 
Je mehr Medikamente ein Patient einnimmt, desto größer ist  das Risiko arzneimittelbezogener Probleme. Millionen Patienten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nehmen fünf oder mehr ärztlich verordnete Arzneimittel in der Dauertherapie ein. Hinzu kommt noch die Selbstmedikation. Dadurch steigt das Risiko für unerwünschte Arzneimittelereignisse, die der Grund für viele Krankenhausaufnahmen sind, z. B. bei geriatrischen Patienten. Viele Fälle gelten als vermeidbar. ABDA und KBV sehen in unzureichender Therapietreue und unerwünschten Arzneimittelereignissen Probleme, die Ärzte und Apotheker nur gemeinsam lösen können.

Vom ABDA-KBV-Modell profitieren nicht nur die Patienten -  nach einer stufenweisen Einführung des ABDA-KBV-Modells könnte die GKV jährliche Einsparungen in Milliardenhöhe realisieren.

Umsetzung des ABDA-KBV-Modells/ARMIN

Im Rahmen des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes (GKV-VStG), das zum 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist, ist das ABDA-KBV-Modell in § 64a SGB V aufgenommen worden. Ein Modellvorhaben soll in einer Region für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren vereinbart werden. Aus Sicht von ABDA und KBV ist geplant, zunächst ein Modellvorhaben mit einer oder mehreren interessierten Kassen nach § 63 SGB V durchzuführen, das dazu dient, eine bundesweite Umsetzung nach § 64a SGB V vorzubereiten.

 Die praktische Umsetzung erfolgt zunächst in Sachsen und Thüringen. Dieses Projekt firmiert unter ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen). Kooperationspartner sind neben der AOK PLUS die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen, die KV Thüringen, der Sächsische Apothekerverband (SAV) und der Thüringer Apothekerverband (ThAV). Im März 2014 haben die fünf Partner einen entsprechenden Vertrag geschlossen. Beratend unterstützt wird das Projekt von ABDA und KBV. Die Wirkstoffverordnung und der Medikationskatalog werden seit dem 1. Juli 2014 umgesetzt. Das Medikationsmanagement ist zum 3. Quartal 2016 gestartet.