21/15 Informationen der Hersteller: Rote-Hand-Brief: Risiko schwerer Herzrhythmusstörungen unter HCV-Therapeutika (Harvoni®, Daklinza®, Sovaldi®) in Kombination mit Amiodaron

AMK / Die Firmen Gilead Sciences GmbH und Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA informieren in Abstimmung mit der EMA und dem BfArM in einem Rote-Hand-Brief über das Risiko von Herzrhythmusstörungen bei der Gabe von Amiodaron und der Kombination Sofosbuvir und Ledipasvir (Harvoni®) oder Amiodaron und Sofosbuvir (Sovaldi®) in Kombination mit Daclatasvir (Daklinza®). Die AMK hat hierzu bereits berichtet (siehe Pharm. Ztg. Nr. 14 vom 2. April 2015, Seite 97). Die Zulassungsinhaber berichten nun differenziert nach Präparaten über die derzeit bekannten Fälle und beobachteten Risiken von Herzrhythmusstörungen, schwerer Bradykardie oder Herzblock.

Die Bradykardien wurden innerhalb von Stunden bis zu zwei Wochen nach Beginn der Hepatitis-C-Virus (HCV)-Behandlung beobachtet. Die Inzidenz dieser Ereignisse wie auch der Mechanismus sind nicht bekannt.
Die Zulassungsinhaber geben nun folgende Empfehlungen:

  • Wenn unter Amiodaron die Anwendung von Sofosbuvir und Ledipasvir oder     Sofosbuvir in Kombination mit Daclatasvir nicht vermieden werden kann,     sollten die Patienten insbesondere in den ersten Wochen engmaschig     überwacht werden.
  • Bei hohem Risiko für Bradyarrhythmien müssen die Patienten nach Beginn     einer Amiodaron- und antiviralen Therapie kontinuierlich über 48 Stunden in     einem geeigneten klinischen Umfeld überwacht werden.
  • Patienten, die mit Sofosbuvir und Ledipasvir oder Sofosbuvir in Kombination     mit Daclatasvir behandelt werden, sollten nur dann auf Amiodaron eingestellt     werden, wenn Alternativen zur Behandlung der Herzrhythmusstörungen nicht     vertragen werden oder kontraindiziert sind. Eine engmaschige Überwachung     ist erforderlich.
  • Aufgrund der langen Eliminationshalbwertszeit von Amiodaron ist eine     angemessene Überwachung auch dann durchzuführen, wenn Amiodaron     innerhalb der vorangegangenen Monate abgesetzt wurde und nun die     antivirale Behandlung begonnen werden soll.
  • Alle Patienten, die Sofosbuvir und Ledipasvir oder Sofosbuvir und Daclatasvir     in Kombination mit Amiodaron mit oder ohne weitere Herzfrequenz-senkende     Arzneimittel erhalten, müssen über die Symptome einer Bradykardie und     eines Herzblocks (zum Beispiel Schwindel, Benommenheit, Ohnmacht,     Schwäche und übermäßige Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Verwirrtheit oder     Gedächtnisstörungen) aufgeklärt und angewiesen werden, schnellstmöglich     einen Arzt aufzusuchen, wenn diese Symptome auftreten.


Die Fach- und Gebrauchsinformationen der genannten Arzneimittel zur HCV-Behandlung werden aktualisiert. Bei Fragen können die Firmen Gilead Sciences GmbH (Telefonnummer 089-8998900, E-Mail: info@gilead-sciences.de) und Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA (Telefonnummer 0800-0752002, E-Mail: medwiss.info@bms.com) kontaktiert werden.

Die AMK bittet die Apotheken, alle Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen in Zusammenhang mit der Anwendung von Harvoni®, Sovaldi® und Daklinza® und anderen antiviral wirkenden Arzneimitteln zur HCV-Behandlung zu melden (www.arzneimittelkommission.de). /

Quellen
1) Gilead Sciences GmbH an AMK (E-Mail-Korrespondenz); Rote-Hand-Brief von Gilead Sciences GmbH und Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA zur Veröffentlichung durch AMK (11. Mai und 13. Mai 2015)
2) BfArM; Harvoni® (Sofosbuvir + Ledipasvir) oder Daklinza® (Daclatasvir) in Kombination mit Sovaldi® (Sofosbuvir): Risiko von Herzrhythmusstörungen bei gleichzeitiger Gabe von Amiodaron. www.bfarm.de -> Arzneimittel -> Pharmakovigilanz -> Risikoinformationen -> Rote-Hand-Briefe und Informationsbriefe (12. Mai 2015)