PZ 37/12 Information: Domperidon-haltige Arzneimittel: Risiko für Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod

InformationDomperidon-haltige Arzneimittel: Risiko für Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod AMK / Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) berichtet im Deutschen Ärzteblatt Jahrgang 109, 2012, Heft 35-36 vom 3. September über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme des Prokinetikums Domperidon und ventrikulären Arrhythmien sowie plötzlichem Herztod. An dieser Stelle möchten wir zentrale Inhalte davon wiedergeben.
Domperidon ist ein peripherer Dopamin-Antagonist, der gegen Übelkeit, Erbrechen, funktionelle Oberbauchbeschwerden wirksam ist und wegen seiner motilitätssteigernden Eigenschaften am Gastrointestinaltrakt die Bewegungen und die Entleerung des Magens fördert. Zugelassen ist Domperidon zur symptomatischen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, epigastrischem Völlegefühl, Oberbauchbeschwerden und Regurgitation (Rückfluss) von Mageninhalt.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und die britische Arzneimittelbehörde (MHRA) haben sich anhand neuer Studien mit den kardialen Risiken von Domperidon beschäftigt. Diese zeigten, dass die Einnahme von Domperidon mit einem gering (etwa 1,5-fach) erhöhten Risiko für schwerwiegende ventrikuläre Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod assoziiert ist. Domperidon sollte in der niedrigsten wirksamen Dosis (möglichst nicht über 30 mg täglich; nach Fachinformation beträgt die maximale Tagesdosis 80 mg) angewendet werden.

Domperidon sollte nicht gleichzeitig mit Arzneimitteln eingesetzt werden, die ebenfalls zu einer QT-Intervallverlängerung führen. Hierzu gehören beispielsweise Makrolidantibiotika (Erythromycin, Azithromycin und weitere), Gyrasehemmer (Ofloxacin, Moxifloxacin und weitere), Haloperidol, Sotalol oder Citalopram. Eine ausführliche Liste ist online unter www.QTdrugs.org verfügbar.

Domperidon wird in erster Linie über das Isoenzym CYP3A4 metabolisiert. Die gleichzeitige Gabe von Hemmstoffen dieses Isoenzyms kann den Serumspiegel von Domperidon erhöhen. CYP3A4-Hemmstoffe sind beispielsweise Azolantimykotika (Itraconazol, Ketoconazol und weitere), HIV-Protease-Inhibitoren (Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir und weitere), sowie Makrolidantibiotika, Diltiazem, Verapamil und Grapefruitsaft. Ausführliche Informationen zu Interaktionen, die über P-450-Zytochrome vermittelt werden, sind in der Apothekensoftware hinterlegt, können aber auch unter http://medicine.iupui.edu/ recherchiert werden.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen, bei Elektrolytstörungen (cave: Hypokaliämie und Hypomagnesiämie), bei Patienten mit vorbestehender Verlängerung der QT-Zeit, bei Patienten über 60 Jahre, bei der Einnahme von Arzneimitteln mit Wirkung auf das Herz und bei der Einnahme von mehr als 30 mg Domperidon pro Tag.

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) bittet darum, alle unter Domperidon-Anwendung beobachteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen – einschließlich Verdachtsfälle – an die Geschäftsstelle der AMK zu melden. Den UAW-Meldebogen (PDF-Formular und Online-Formular) finden Sie unter www.arzneimittelkommission.de sowie abgedruckt in der vorigen Ausgabe der Pharm. Ztg. Nr. 35, 2012, Seite 111-112. /

Quelle
Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ): Ventrikuläre Arrhythmien und plötzlicher Herztod im Zusammenhang mit Domperidon (UAW-News International) Deutsches Ärzteblatt Jahrgang 109 Heft 35-36, vom 18. Mai 2012 (www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2012/201209031.pdf)