pharmacon: BAK-Vorstand diskutiert über pharmazeutische Dienstleistungen

Beim pharmacon Meran diskutierten Kongressteilnehmende mit dem Vorstand der Bundesapothekerkammer (BAK) am Mittwochnachmittag (3. Juni). Im Fokus der rund 90-minütigen Veranstaltung standen die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL). Den Fragen des Publikums stellte sich der fünfköpfige Vorstand der Bundesapothekerkammer. Moderiert wurde die Veranstaltung von Alexander Müller, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung.

Stephanie Tiede, Mitglied des Vorstands der BAK, und ABDA-Bereichsleiterin Dr. Nina Griese-Mammen führten in einem Impulsvortrag ins Thema ein. Sie stellten vor, welche pDL bereits möglich sind und welche neuen Dienstleistungen durch das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) für Apotheken in Zukunft hinzukommen werden. Tiede: "Den Apothekerinnen und Apothekern werden durch die neuen pDL mehr Kompetenzen zugestanden. Bei einigen Dienstleistungen werden auch die PTAs und PhiPs aktiv eingebunden werden. Das begrüßt die Bundesapothekerkammer ausdrücklich." Tiede rief die Kongressteilnehmer dazu auf, so bald wie möglich mit der Einführung von pDL und anderen Leistungen in der eigenen Apotheke zu starten. "Der beste Startpunkt ist jetzt!"

Ein Zukunftsthema sind die Impfungen mit allen Totimpfstoffen. Zur Erinnerung: Bislang dürfen Apothekerinnen und Apotheker nur gegen Influenza und Covid-19 impfen. Dr. Hannes Müller, Mitglied des Vorstands der BAK: "Es sind genug Impflücken für alle da. Eine große Chance sehe ich auch darin, dass künftig Apothekerinnen und Apotheker die Durchführung der Impfung an PTA delegieren können – ähnlich wie Ärzte das schon seit langem dürfen." Nicht jede Apotheke wird jede pDL anbieten können und wollen. Aber man könne die verschiedenen Dienstleistungen auch miteinander kombinieren, um Synergieeffekte für die Apotheke zu heben. Die Umstellung der Abrechnung für die pDL ab 2027 beurteilte Müller positiv. Zur Erinnerung: Bislang werden die pDL über den Nacht- und Notdienstfonds vergütet, ab Januar 2027 ist eine direkte Abrechnung mit der Krankenkasse vorgesehen.

Dr. Maike Fedders, Mitglied des Vorstands der Bundesapothekerkammer: "Ich bin ein großer Fan der Impfungen in Apotheken. Die gute Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten mit Apothekerinnen und Apothekern ist im Krankenhaus schon heute selbstverständlich." Bei der Früherkennung sah sie noch einiges Potenzial für Apotheken. Fedders: "Wir sehen die Patientinnen und Patienten vollständig, nicht nur einzelne Messwerte." Klar sei, dass die Diagnose weiterhin eine ärztliche Aufgabe sei.

Franziska Scharpf, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer, verglich die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) mit einer Blumenwiese: "Die Samen sind gesät – nun muss jede Apotheke selbst die Blumen pflücken, die sie zum Blühen bringt." Besonders bei der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sieht sie großes Potenzial, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und die Krankheitslast der Patientinnen und Patienten zu senken. "Hier sehe ich riesige Chancen für alle Beteiligten." Auch der häufig genannte Personalmangel müsse kein Hindernis sein. "Ist das umsetzbar? Ja! Digitale Prozesse erleichtern meinen Apothekenalltag erheblich und schaffen Freiräume für zusätzliche Versorgungsangebote." Zur interprofessionellen Zusammenarbeit betonte Scharpf: "Apotheken erreichen die Menschen durch ihren niedrigschwelligen Zugang oft sehr früh. Wenn mein pharmazeutischer Rat an seine Grenzen stößt, verweisen wir selbstverständlich an die Ärzteschaft. Die beiden Heilberufe ergänzen sich – sie ersetzen sich nicht."

BAK-Präsident Dr. Armin Hoffmann: "Berufspolitisch ist es wichtig, dass wir in den Apotheken die neuen Leistungen und dabei vor allem die Angebote zur Prävention und zur Primärversorgung abdecken können. Wir wollen die Patientinnen und Patienten erreichen, die noch nicht regelmäßig in Arztpraxen sind." Bei der Honorierung der pDL stünden die Verhandlungen innerhalb der Selbstverwaltung noch aus. "Wir kommen voran! Es ist ein großer Vorteil, dass endlich Bewegung im System ist – wir werden hier selbstbewusst handeln! Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes ist eine zweimonatige Frist für die inhaltliche Ausgestaltung vorgegeben. Die Bundesapothekerkammer hat bereits vor einiger Zeit damit begonnen, Arbeitsanweisungen und Curricula auszuarbeiten. Wir werden rechtzeitig fertig werden, um die Apotheken auf dem gleichen Niveau zu unterstützen wie bei den schon etablierten pDL."

In Richtung der bei der berufspolitischen Diskussion anwesenden Hochschullehrer und Pharmaziestudenten sagte Hoffmann: "Das theoretische Wissen, das für die pDL nötig sei, soll auch in die Approbationsordnung und damit in das Pharmaziestudium einfließen. An einer Novellierung der Approbationsordnung arbeiten wir schon."

In Zukunft werden in Apotheken weitere Point-of-care-Tests möglich sein. Hoffmann dazu: "Das ist eindeutig eine Aufgabe für uns, da wir in den Apotheken eine große Anzahl Patientinnen und Patienten screenen können, bevor sie schwerer krank werden und das Gesundheitssystem stärker belasten. Wir müssen aber auch schauen, dass wir in einer Versorgungskette denken, statt in Einzelleistungen. Wie passen Testergebnisse in Therapieschemata, wie begleiten wir die Patientinnen und Patienten über Jahre? Das müssen wir ganzheitlich denken."

Dr. Hannes Müller, Franziska Scharpf, Dr. Armin Hoffmann, Dr. Maike Fedders, Stephanie Tiede und Moderator Alexander Müller, Pharmazeutische Zeitung (v.l.)