5/13 Information: Schwere Hautreaktionen unter Carbamazepin – Assoziation mit den humanen Leukozyten Antigenen HLA-B*1502 und HLA-A*-3101
InformationSchwere Hautreaktionen unter Carbamazepin – Assoziation mit den humanen Leukozyten Antigenen HLA-B*1502 und HLA-A*-3101 AMK / Schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson Syndrom (SJS) oder die toxisch epidermale Nekrolyse (TEN) stellen bekannte Überempfindlichkeitsreaktionen dar, die unter Carbamazepin-Therapie auftreten können. Das Anfang 2012 vom BfArM eingeleitete Stufenplanverfahren zur Neubewertung des Risikos für diese schweren Nebenwirkungen wurde nun abgeschlossen und der Stufenplanbescheid veröffentlicht [1,2]. Ergänzend zu der bereits bekannten Aufnahme von Warnhinweise zum Auftreten von SJS und TEN in die Gebrauchs- und Fachinformation [2], sieht das BfArM weiterführende Angaben zur Assoziation dieser schweren Hautreaktionen mit bestimmten humanen Leukozyten Antigen (HLA) - Allelen vor [2]. HLA stellen eine wichtige Klasse von Oberflächenproteinen auf Zellen dar, denen eine wesentliche Bedeutung an der Regulation von Immunreaktionen zukommt. Für Träger des HLA-A*3101 Allels konnten genetische Assoziationsstudien sowohl für Personen europäischer Abstammung wie auch für Japaner ein erhöhtes Risiko für teils schwere Hautreaktionen zeigen [3,4]. Die Prävalenz für HLA-A*3101 ist unter Europäern mit 2 - 5 % zu etwa 10 % in der japanischen Bevölkerung vergleichsweise gering. Das Vorliegen des Allels HLA-A*3101 kann das Risiko für Hautreaktionen bei Patienten europäischer Abstammung unter Carbamazepin von 5,0 % in der Allgemeinbevölkerung auf 26,0 % steigern, wohingegen das Fehlen dieses Allels das Risiko von 5,0 % auf 3,8 % senken kann [3]. In der Fachinformation wurde vom BfArM ein Hinweis hierzu aufgenommen. Basierend auf den derzeit noch begrenzten Erkenntnissen wird eine Bestimmung des Trägerstatus für HLA-A*3101 im Vorfeld einer Carbamazepin-Therapie jedoch nicht generell empfohlen [2]. Für Patienten mit bekanntem Trägerstatus für HLA-A*3101 kann eine Therapie mit Carbamazepin durchgeführt werden, sofern der zu erwartende Nutzen die Risiken überwiegt. Im Unterschied hierzu wird für HLA-B*1502, ein weiteres Risiko-Allel, eine Genotypisierung für Han Chinesen und Personen thailändischer Herkunft empfohlen, wenn diese mit Carbamazepin therapiert werden sollen. Für Personen europäischer Herkunft wird dieser Test nicht gefordert, da HLA-B*1502 in dieser Bevölkerungsgruppe nicht vorkommt. Bei positiver Testung auf HLA-B*1502 wird empfohlen keine Therapie mit Carbamazepin zu beginnen, sofern Therapiealternativen umsetzbar sind [2,5]. Für das chemisch verwandte Oxcarbazepin hat das BfArM ebenfalls ein Stufenplanverfahren eingeleitet. Ähnlich dem Carbamazepin, wird auch für Oxcarbazepin in der Literatur ein erhöhtes Risiko für Hypersensitivitätsreaktionen für bestimmte HLA-Allele beschrieben [5]. Das Ergebnis des Stufenplanverfahrens wird voraussichtlich im Frühjahr 2013 bekanntgegeben werden. / Quellen
[1] Schwere Hautreaktionen unter Lamotrigin, Phenobarbital, Sulfamethoxazol, Sulfasalazin, Sulfadiazin, Meloxicam, Piroxicam und Phenytoin, AMK Meldung, Pharm. Ztg. Nr. 51/52, vom 20. Dezember 2012 [2] Abwehr von Gefahren durch Arzneimittel Stufe III, Carbamazepin […], Bescheid BfArM vom 21. Januar 2013 www.bfarm.de/SharedDocs/1_Downloads/DE/Pharmakovigilanz/stufenplverf/schwere_hautreaktionen_bescheid_carbamazepin.pdf?__blob=publicationFile
[3] McCormack et al., HLA-A*3101 and Carbamazepine-Induced Hypersensitivity Reactions in Europeans, N Engl J Med, 2011; 364:1134-43 [4] Yowang et al., Genome-wide association study identifies HLA-A?3101 allele as a genetic risk factor for carbamazepine-induced cutaneous adverse drug reactions in Japanese population, Ozeki, Mushiroda, Hum Mol Genet, 2011, 20(5):1034-41 [5] Aihara et al., Pharmacogenetics of cutaneous adverse drug Reactions, Journal of Dermatology, 2011, 38:246-254