28/14 Informationen: Humira®: Fehlgeschlagene Injektionen auf Grund von Störungen beim vorgefüllten Pen


Humira®: Fehlgeschlagene Injektionen auf Grund von Störungen beim vorgefüllten Pen

AMK / Seit 2008 erhielt die AMK insgesamt 62 Meldungen zu potentiellen Arzneimittelrisiken zu Humira®, Injektionslösung im vorgefüllten Pen. Im April dieses Jahres empfahl der PRAC unter anderem die Aktualisierung der Gebrauchsinformation hinsichtlich der Kontrolle der Injektion durch den Patienten (1).

Das Arzneimittel, das den humanen Antikörper Adalimumab enthält, ist indiziert bei Erkrankungen, bei denen der Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-?) pathophysiologisch bedeutsam ist. Dazu zählen unter anderen: rheumatoide Arthritis, polyartikuläre juvenile idiopathische Arthritis, axiale Spondyloarthritis, ankylosierende Spondylitis, Psoriasis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

In 2013 gaben Apotheken zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) als Einzelverordnungen im Wesentlichen zwei Arzneiformen von Humira® nahezu gleich häufig ab: Injektionslösung im vorgefüllten Pen und Injektionslösung in der Fertigspritze (Quelle: DAPI Deutsches Arzneiprüfungsinstitut e.V.). Zur Arzneiform vorgefüllter Pen, von der im Jahr 2013 zirka 400.000 Stück in Apotheken abgegeben wurden, ließen sich in der AMK-Datenbank 62 Meldungen mit 27 Einsendungen identifizieren - dreimal mehr als zur Fertigspritze.

Der vorgefüllte Pen enthält eine gefüllte Spritze, die durch ein Sichtfenster beobachtet werden kann. Der Patient kann so die Injektionslösung beurteilen und den Ablauf der Injektion kontrollieren. Die niedergedrückte Kolbenstange trägt am Ende eine gelbe Markierung, die im Sichtfenster nach vollständiger Abgabe der Injektionslösung zu sehen ist.

Unter Berücksichtigung der importierten Produkte (N = 18) ergaben Auswertungen der AMK in 70 % der Fälle (N = 44) Beanstandungen zur Mechanik des vorgefüllten Pens. In 25 Fällen beschrieben die Apotheken die Beanstandungen der Patienten sinngemäß mit: die Lösung lief aus/daneben, die Lösung wurde frühzeitig freigesetzt oder sie lief über die Haut. In 9 Fällen wurde berichtet, dass der Pen nicht ausgelöst hatte oder in 3 Fällen die Injektion nicht spürbar war – ein typisches Brennen während der Injektion fehlte. Die Untersuchungen der AMK und des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker e.V. (ZL) konnten in zwei Fällen die Beanstandungen bestätigen. Im Sichtfenster des Pens war weder eine klare Lösung noch die gelbe Markierung zu sehen. Bei Zerlegung des Pens fiel auf, dass die Spritze gefüllt war und somit die Patienten die Dosis nicht erhalten haben konnten.

Nach Angaben des Originators wurde Ende 2012 eine Verbesserung eingeführt, dennoch erreichten die AMK weitere Risikomeldungen.

Gegenwärtig weisen die Befunde primär auf die Bedeutung der korrekten Beurteilung des Sichtfensters des Pens durch den Patienten hin. Eine Fehlinterpretation des Injektionsvorgangs kann zur Irritation des Patienten und zu einer Über- oder Unterdosierung des Arzneimittels führen. Nur wenn im Sichtfenster die gelbe Markierung zu sehen ist, wurde die innen liegende Fertigspritze vollständig entleert und es kann von der Abgabe der Lösung ausgegangen werden. Zwar wurden bis auf eine verminderte Wirkung keine signifikanten klinischen Folgen berichtet, aber wegen der Bedeutung des Sichtfensters für die Kontrolle der Injektion durch den Patienten hatte der PRAC dem Zulassungsinhaber empfohlen, Änderungen der Gebrauchsinformation einzureichen und an Patienten und Gesundheitsberufe zu kommunizieren, wie defekte Geräte ersetzt werden sollen. Die AMK bittet die Apotheken, Patienten über die Bedeutung des Sichtfensters beim vorgefüllten Humira®-Pen zu informieren und Verdachtsfälle zu Risiken im Zusammenhang mit Humira® zu melden (www.arzneimittelkommission.de). / Quelle
(1) PRAC; Recommendations for up-date of the product information, Adalimumab – missed dose due to malfunction of the pre-filled pen device. www.ema.europe.eu – document library - refence nmumber: EMA/PRAC/229812/2014 (19. Mai 2014)