27/13 Information: Risikobewertungsverfahren zu Ergotamin-Derivaten abgeschlossen: Einschränkung der Indikationen

InformationRisikobewertungsverfahren zu Ergotamin-Derivaten abgeschlossen: Einschränkung der Indikationen AMK / Der CHMP empfiehlt die Einschränkung der Indikationen von Arzneimitteln mit den Ergotaminderivaten Dihydroergocristin, Dihydroergotamin, Dihydroergotoxin, Nicergolin und einer Kombination von Dihydroergocryptin und Coffein. Aufgrund des schlechten Nutzen-Risiko-Verhältnisses wird empfohlen, die Zulassungen für folgende Indikationen, die nur zum Teil für Deutschland zutreffen, zurückzunehmen (1): • orthostatische Hypotension
• Migräneprophylaxe
• unterstützende Behandlung bei Raynaud-Syndrom,
• akute Retinopathien vaskulärer Genese
• unterstützende Maßnahme bei Claudicatio intermittens bei peripherer      arterieller Verschlußkrankheit
• unterstützende Maßnahme bei Einschränkung des Sehfeldes und Verlust der Sehschärfe aufgrund vaskulärer Ursachen
• Symptomatische Therapie chronisch pathologischer kognitiver und neurosensorischer Leistungseinschränkung im Alter (Hirnleistungsstörungen; ausgenommen bei Alzheimer- und anderen Demenzformen) Weitere in der EU zugelassene Indikationen zur Behandlung der akuten Migräne, sowie anderen Kreislauferkrankungen oder der Demenz wurden nicht evaluiert; eine Rücknahme der Zulassung für diese Indikationen wird daher nicht empfohlen. Anlass für die Bewertung war das bekannte Fibrose-Risiko unter Ergotamin-Derivaten. Hierzu gehören Fibrosen der Herzklappen, aber auch der Lunge, der Pleura sowie des Peritoneums. Mechanistisch wurde eine Aktivierung des 5-HT-2B-Rezeptors als Auslöser für die Entstehung der Fibrose identifiziert (2). Das Potential, Fibrosen zu induzieren variiert zwischen den Ergotamin-Derivaten und ist für Dihydroergotamin am stärksten ausgeprägt. Als Ursache wird die unterschiedliche Rezeptoraffinität der Substanzen für den 5-HT-2B-Rezeptor diskutiert (1). Neben der Gefahr für Fibrosen ist der Ergotismus, der ebenfalls unter Dihydroergotamin am häufigsten auftritt, eine bekannte und wichtige Nebenwirkung. Diesen Arzneimittelrisiken stehen nach der aktuellen Bewertung nur wenige Daten zur Wirksamkeit in den beanspruchten Anwendungsgebieten gegenüber; zudem sei eine therapeutische Notwendigkeit für Ergotamin-Derivaten in den beschriebenen Indikationen nicht gegeben. Die AMK wird zu dem Vorgang erneut informieren, wenn eine national verbindliche Umsetzung erfolgt. / Quellen (1) CHMP, New restrictions on use of medicines containing ergot derivatives, unter: www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/news_and_events/news/2013/06/news_detail_001832.jsp&mid=WC0b01ac058004d5c1 (Zugriff am 2. Juli 2013)
(2) Hutcheson et al., Serotonin Receptors and Heart Valve Disease – it was meant 2B, Pharmacol Ther., 2011; 132(2): 146–157.