13/14 Informationen der Hersteller: Rote-Hand-Brief zu Lenograstim (Granocyte®): Kapilläres Lecksyndrom nach Anwendung bei Krebspatienten und gesunden Spendern
Rote-Hand-Brief zu Lenograstim (Granocyte®): Kapilläres Lecksyndrom nach Anwendung bei Krebspatienten und gesunden Spendern AMK / Die Firma Chugai Pharma Marketing Ltd. informiert in Abstimmung mit den zuständigen Behörden durch einen Rote-Hand-Brief über das mögliche Auftreten eines kapillären Leck-Syndroms (capillary leak syndrome, CLS) nach Anwendung von Lenograstim (Granocyte®) (1).
Der humane Granulozyten-Kolonie-stimulierende Wachstumsfaktor, fördert die Entstehung funktionsfähiger neutrophiler Granulozyten und deren Freisetzung aus dem Knochenmark. Der Einsatz erfolgt unter anderem zur Verkürzung der Dauer von Neutropenien. Die Nebenwirkung CLS wurde nach der Anwendung von Lenograstim bei Patienten berichtet, die eine chemotherapeutische Behandlung erhalten haben wie auch bei einem gesunden Spender im Rahmen einer peripheren Stammzellmobilisierung. Seit der Markteinführung von Lenograstim (Granocyte®) im Jahr 1991 sind insgesamt weltweit 11 Fälle von CLS beschrieben. Im Jahr 2013 wurde bereits in einem Rote-Hand-Brief zu den beiden Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Wachstumsfaktoren Filgrastim und Pegfilgrastim vor dem Auftreten eines CLS gewarnt, die AMK informierte hierzu (2). Bei einem kapillären Lecksyndrom kommt es durch eine stark erhöhte Permeabilität der Kapillargefäße zu einem massiven Austritt von Plasma in das Interstitium. Infolgedessen treten Intervalle eines schweren hypovolämischen Schocks mit generalisiertem Ödem, Hypotonie, Hypoalbuminämie und Hämokonzentration auf. Die Episoden dieses schweren Krankheitsbildes variieren hinsichtlich Häufigkeit und Schweregrad und können auch tödlich verlaufen. Der Mechanismus, der unter der Anwendung der Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktoren zum CLS führt, ist unklar.
Das medizinische Fachpersonal sollte Patienten und gesunde Spender, die Lenograstim erhalten, bezüglich CLS Symptomen engmaschig überwachen. Wenn Symptome auftreten, sollte sofort eine symptomatische Standardbehandlung eingeleitet werden.
Patienten und gesunde Spender sollen ihren Arzt kontaktieren, wenn sie folgende Symptome entwickeln: Generalisierte Schwellungen, lokale Anschwellungen (was verbunden sein kann mit seltenerem Wasserlassen), Atemnot, Schwellungen im Bereich des Bauchraumes und Müdigkeit. In der Mehrzahl der bekannt gewordenen CLS-Fälle wurde eine Verbesserung durch das Absetzen von Lenograstim und eine unterstützenden Therapie oder die Gabe von Kortikosteroiden erreicht.
Die Fach- und Gebrauchsinformationen für Granocyte® wurden aktualisiert. / Quellen
(1) Chugai Pharma Marketing Ltd. an AMK (E-Mail Korrespondenz); Granocyte® (Lenograstim) wird mit dem Risiko eines kapillären Lecksyndroms (capillary leak syndrome, CLS) bei Krebspatienten und gesunden Spendern in Verbindung gebracht. (19. März 2014) und unter www.bfarm.de àPharmakovigilanz àRisikoinformationenàRote-Hand-Briefe und Informationsbriefe
(2) AMK; Rote-Hand-Brief zu Filgrastim (Neupogen®) und Pegfilgrastim (Neulasta®): Risiko von Kapillarlecksyndrom. Pharm. Ztg. 2013 (158) 35: 111