12/14 Information: Denosumab (Prolia®, Xgeva®): Fälle von Vaskulitis und Risiko für schwere Hypokalzämien


Denosumab (Prolia®, Xgeva®): Fälle von Vaskulitis und Risiko für schwere Hypokalzämien AMK / Vor dem Hintergrund von Fallberichten zu Vaskulitiden sowie des Risikos für schwere Hypokalzämien und gestiegenen Verordnungszahlen gibt die AkdÄ Empfehlungen zur sicheren Anwendung von Denosumab (1). Der humane monoklonale Antikörper, der die Funktion und das Überleben von Knochen-resorbierenden Osteoklasten hemmt, wurde in zwei verschiedenen Stärken zur subkutanen Anwendung zugelassen. Die niedrige Stärke (Prolia®, 60 mg) ist zugelassen zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen sowie des erhöhten Frakturrisikos als Folge einer Hormonablation bei Männern mit Prostatakarzinom. Vergleichsweise dazu ist die höhere Stärke (Xgeva®, 120 mg) zur Prävention von skelettbezogenen Komplikationen bei Erwachsenen mit Knochenmetastasen aufgrund solider Tumoren indiziert. Bei Einsatz in der letztgenannten Indikation gibt es Hinweise für eine Überlegenheit des Antikörpers gegenüber den Bisphosphonaten. Es gilt hier jedoch das möglicherweise erhöhte Infektionsrisiko zu berücksichtigen, das auf die immunmodulierenden Eigenschaften von Denosumab zurückgeführt werden könnte. Daher solle Denosumab strikt nur in den zugelassenen Indikationen eingesetzt werden. Bei allen Autoimmunerkrankungen und bei immunkompromittierten Patienten werde die Anwendung nicht empfohlen, solange keine entsprechenden Studien vorliegen. Zum Sicherheitsprofil des Antikörpers liegt dem PRAC aktuell ein Signal zu Vaskulitiden vor, insgesamt 33 Fallberichte. Gegenwärtig ist diese seltene unerwünschte Wirkung nicht in der Fach- und Gebrauchsinformation aufgeführt; eine abschließende Bewertung der Behörden steht noch aus. Die Gefäßentzündungenwaren dabei zumeist auf die Haut beschränkt, wie dies häufig bei Medikamenten-induzierten Vaskulitiden der Fall ist. Mit schweren Hypokalzämien ist deutlich häufiger zu rechnen als mit Vaskulitiden (2), insbesondere dann, wenn Denosumab zur Therapie von skelettbezogenen Komplikationen bei Knochenmetastasen, also in der höheren Stärke, eingesetzt wird. In diesen Fällen liegt die Häufigkeit der Hypokalzämie bei einem von 10 bis 100 behandelten Patienten. Die in der Fach- und Gebrauchsinformation aufgeführte Nebenwirkung kann tödlich verlaufen und vermehrt dann auftreten, wenn gleichzeitig eine Niereninsuffizienz vorliegt oder der Patient zuvor noch nicht mit einem Bisphosphonat behandelt wurde. Für letztere wird vermutet, dass Bisphosphonate einen gewissen Schutz vor einer Hypokalzämie bieten, weil diese die Parathormonfreisetzung erhöhen und somit die Hypokalzämie kompensieren. Patienten sollen über mögliche Symptome einer Hypokalzämie aufgeklärt werden, zum Beispiel periorales Taubheitsgefühl, Parästhesien an den Extremitäten, Muskelkrämpfe, Erschöpfung und neuromuskuläre Übererregbarkeit. Bei länger andauernder Hypokalzämie können auch Angstzustände oder Depression auftreten.

Der AkdÄ zufolge soll unter der Behandlung mit Denosumab auf eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D3 (1000 mg Kalzium und 1000 IE Vitamin D3 täglich) geachtet werden; die Fachinformation mit Stand vom Oktober letzten Jahres empfiehlt anderslautend 500 mg Kalzium und 400 IE Vitamin D. Vor Beginn einer geplanten Behandlung ist das Serumkalzium zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Aufgrund der potentiellen Risiken bittet die AMK die Apotheken darum, Verdachtsfälle zu Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit der Anwendung Denosumab-haltiger Arzneimittel stehen könnten, unter www.arzneimittelkommission zu melden. / Quellen
(1) AkdÄ; Sicherheitsaspekte bei der Anwendung von Denosumab (Prolia®, Xgeva®): Fälle von Vaskulits und Risiko für schwere Hypokalzämien. Dtsch. Ärzteblatt 2014 (111) 11: A 472 unter www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=156748
(2) AMK; Rote-Hand-Brief zu Xgeva® (Denosumab): Schwere symptomatische Hypokalzämie mit Todesfällen. Pharm. Ztg. 2012, (157) 36: 102