Lieferengpässe: Produktion zurückholen

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hat sich wegen der Lieferengpässe dafür ausgesprochen, dass wieder mehr Arzneimittel in Europa hergestellt werden. Schmidt sagte der "Passauer Neuen Presse", die komplette Auslagerung der Pharmaproduktion nach Asien müsse rückgängig gemacht werden. Zwar würden sich damit die Preise für Medikamente erhöhen, für die Versorgungssicherheit sei das aber notwendig. Man habe die Bundesregierung aufgefordert, sich diesen Themas während der deutschen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 anzunehmen. Darüber hinaus verlangte der ABDA-Präsident, dass der Mehraufwand von Apotheken auch honoriert wird. Sie seien viel damit beschäftigt, den Patienten zu erklären, wie schwierig die Lage geworden sei. Nach Angaben von Schmidt fehlten im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 7,3 Millionen Packungen Medikamente wegen der Produktion in Indien oder China. "Wenn eine solche Produktionsstätte Probleme bekommt, wirkt sich das weltweit aus", sagte Schmidt der Zeitung. Eine von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ins Gespräch gebrachte Meldepflicht bei Medikamentenknappheit befürwortet der ABDA-Präsident. Auch der Deutsche Apothekerverband fordert mehr Anreize für eine stärkere Wirkstoffproduktion in Europa. Der Vorsitzende Fritz Becker hatte vor kurzem in einem Gastbeitrag im "Hartmannbund-Magazin" (04/19) auf den Vorschlag hingewiesen, die Förderung der pharmazeutischen Produktion in der Europäischen Union zu einem Schwerpunkt der deutschen Ratspräsidentschaft 2020 zu machen. "Hier seien vielfältige Ansätze denkbar, etwa in Vergabeverfahren europäische Produktionsstandorte und somit Arzneimittel ‚Made in Europe‘ zu privilegieren", erklärte Becker. Für ihn scheine eine gesamteuropäische Lösung sinnvoll, zumal Lieferengpässe und Versorgungsmängel im Arzneimittelbereich keine exklusiv deutschen Probleme seien. Enttäuscht zeigte sich Becker darüber, dass die Politik darüberhinausgehende gesetzliche Vorgaben, etwa in Form von Förderklauseln, nicht angehen will.