Nicht-rezeptpflichtige Arzneimittel

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Seit Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes im Jahr 2004 sind die rezeptfreien, apothekenpflichtigen Arzneimittel grundsätzlich von der Erstattung durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausgeschlossen. Zugleich sind diese Medikamente nicht mehr von den Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) erfasst. Somit hat der Gesetzgeber die Verkaufspreise für Präparate aus der Selbstmedikation (OTC = over the counter = über den Handverkaufstisch) freigegeben. Jede einzelne Apotheke kann ihre Preise eigenverantwortlich kalkulieren. Ein zuweilen intensiver Preiswettbewerb zwischen den Apotheken war das Ziel und ist dementsprechend auch eine Folge der damaligen Preisfreigabe.

Die Preiskalkulation des Apothekers für einzelne Medikamente oder das gesamte Sortiment kann verschiedene betriebswirtschaftliche und wettbewerbliche Aspekte beinhalten. So können die Einkaufskonditionen eines Produktes je nach Hersteller, Großhändler, Bestellmenge oder Saison variieren. Ein Zuschlag kann sich nach den Personal- oder Sachkosten in der Apotheke richten. Auch die Konkurrenzsituation, die durch das Angebot und die Preise benachbarter Apotheken bestimmt wird, kann die eigene Preiskalkulation beeinflussen. Nicht zu vergessen beim Apothekenverkaufspreis sind auch die 19 Prozent Mehrwertsteuer, die in Deutschland für sämtliche Arzneimittel gleichermaßen gelten.

Ein Sonderfall bei der Preiskalkulation liegt vor, wenn apothekenpflichtige Arzneimittel ausnahmsweise vom Arzt auf einem roten Rezept ("Muster 16") zu Lasten der GKV verordnet werden.  Für Kinder ist dies bis zum 12. Geburtstag sowie für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum 18. Geburtstag vorgesehen. Bei Erwachsenen ist diese Option nur im Rahmen der „OTC-Ausnahmeliste“ des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) vorgesehen, wobei es um die Behandlung schwerwiegender Erkrankungen geht. Dann gilt die Arzneimittelpreisverordnung in der Fassung vom 31. Dezember 2003. Insofern muss der Hersteller einen entsprechenden Abgabepreis melden, der in der Apotheken-Software zur möglichen GKV-Abrechnung vorliegt.

Ein weiterer Sonderfall und ebenso durch die GKV voll erstattungsfähig sind verschreibungspflichtige empfängnisverhütende Mittel, allerdings nur bis zum vollendeten 20. Lebensjahr. Danach müssen diese Mittel trotz Rezeptpflicht genauso wie nicht-rezeptpflichtige Arzneimittel aus eigener Tasche bezahlt werden. Aufgrund der Entlassung der „Pille Danach“ aus der Rezeptpflicht, haben seit dem 1. März 2015 Versicherte bis zum vollendeten 20. Lebensjahr nun auch Anspruch auf die Versorgung mit den nicht-verschreibungspflichtigen Notfallkontrazeptiva, soweit diese ärztlich verordnet werden.