pharmacon-Teilnehmende diskutieren über Apothekenreform und neue Aufgaben
Auf dem pharmacon Schladming diskutierten Kongressteilnehmende mit dem Vorstand der Bundesapothekerkammer (BAK) über die Apothekenreform und die Apotheke der Zukunft. Weitere Themen waren die Honorierung, Fortbildung und Nachwuchsgewinnung. Aufgelockert wurde die Diskussion durch Umfragen, an denen das Publikum per Smartphone teilnehmen konnte. Moderator der zweistündigen Veranstaltung im Kongresszentrum Schladming war Alexander Müller, einer der Chefredakteure der Pharmazeutischen Zeitung.
BAK-Präsident Dr. Armin Hoffmann nannte als wichtigste Forderung der Apothekerschaft die Erhöhung des Fixums und eine hinreichende Honorierung weiterer Leistungen in der Apotheke. Er ergänzte: "In der Apothekenreform stecken auch viele Chancen. Die Bundesapothekerkammer arbeitet bereits daran, die neuen Leistungen flächendeckend ausrollen zu können." Bei den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) hoffe er auf möglichst bürokratiearme Vereinbarungen für die Apotheken.
Als Schnittstellen, die die BAK verbessern will, nannte Hoffmann die Zusammenarbeit mit der Pflege und den niedergelassenen Ärzten."Es geht um Patientenzugang und -verteilung im Gesundheitssystem und um Zusammenarbeit, wir werden anderen Beteiligten im Gesundheitssystem nichts wegnehmen!“ sagte Hoffmann mit Blick auf die Apothekenreform. Zur interprofessionellen Zusammenarbeit führte Dr. Meike Fedders aus dem Vorstand der BAK aus, dass die Zusammenarbeit im Krankenhaus sehr gut sei. Ein Faktor dafür sei, dass alle Berufsgruppen beim gleichen Arbeitgeber angestellt seien. "Wir Krankenhausapothekerinnen und -apotheker haben in den letzten Jahrzehnten für die gute Zusammenarbeit mit den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen und auch mit der Pflege gekämpft. Das hat sich gelohnt", sagte sie.
BAK-Vorstand Dr. Hannes Müller hatte bei der berufspolitischen Veranstaltung während des pharmacon Schladming 2025 auf die Adhärenz und den New Medicine Service hingewiesen. Müller: "Vieles wurde in der Apothekenreform schon aufgegriffen. Das ist ein immenser Schritt für die öffentliche Apotheke."
BAK-Vizepräsidentin Franziska Scharpf erinnerte in einem Impulsreferat an das 2025 veröffentlichte Positionspapier "In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke". "Die entscheidende Frage ist, was wir wollen und was die Politik daraus macht", so Scharpf. Die Herausforderungen im Berufsalltag der öffentlichen Apotheken seien vielfältig, auch weil ein demografischer Wandel bevorstehe. Die künstliche Intelligenz verbessere die Gesundheitskompetenz der Menschen nicht. Die Impfquote in Deutschland läge bei Influenza weit unterhalb des EU-Durchschnitts und den WHO-Empfehlungen. Etwa fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen seien arzneimittelbedingt, davon wären zwei Drittel vermeidbar. Durch den demografischen Wandel würde der Bedarf an Arzneimittel weiter ansteigen. Ein weiteres Problem sei die Non-Adhärenz.
Einige dieser Ideen wurden in den Gesetzesentwürfen der Apothekenreform bereits aufgegriffen. Das fasste Dr. Nina Griese-Mammen, Bereichsleiterin pDL der ABDA, für die Teilnehmenden zusammen. Im Bereich Prävention und Früherkennung nannte sie die erweiterten Impfmöglichkeiten und die Messungen verschiedener Risikofaktoren unter Verwendung von evidenzbasierter Risikobewertungsmodelle. Als neue pDL seien unter anderem vorgesehen, dass Apotheken zukünftig zu den Injektabilia beraten können, zur komplexen oder zu neu verordneter Dauermedikation.
Ebenfalls neu im Gesetzentwurf sind die Paragrafen 48a und 48b Arzneimittelgesetz. Vorgesehen ist in §48a die Abgabe eines rezeptpflichtigen Arzneimittels zur Fortführung der Dauermedikation. §48b befasst sich mit der Abgabe eines rezeptpflichtigen Arzneimittels in bei akuten Erkrankungen, die keinen Aufschub dulden. Auf die Frage eines Teilnehmers zu §48b erläuterte Hoffmann, dass das Bundesgesundheitsministerium dies wolle, um die Arztpraxen von einfachen Fällen zu entlasten. Hoffmann: "Die Arzneimittelkommissionen der Apotheker und der Ärzte werden zu den Details fachlich verhandeln." Scharpf: "Die Apotheker können nicht alle pDL alleine leisten, wir brauchen hier die PTA. Wir haben die PTA im Blick und wollen sie qualifizieren."
Zu alternativen Honorarbestandteilen lud der BAK-Vorstand den Vorsitzenden des Deutschen Apothekenverbands (DAV), Dr. Hans-Peter Hubmann, zu einem Statement ein. Hubmann: "Im Koalitionsvertrag sind die 9,50 als Fixum gesetzt, und das fordern wir vehement. Auf die Höhe des Fixums hat der Bundestag formal keinen Einfluss mehr, da es sich um eine Verordnung handelt." Die neuen pDL müssten so bezahlt werden, dass sie einen Beitrag zum Gewinn der Apotheken leistet. "Kostendeckend reicht uns nicht. Wir müssen zudem weitere Honorarbestandteile finden, daran arbeitet der DAV intensiv. Zum Beispiel soll der Nacht- und Notdienst in Zukunft laut Gesetzentwürfen zur Apothekenreform höher vergütet werden als bislang", sagte Hubmann.
Stephanie Tiede aus dem BAK-Vorstand warb bei der Nachwuchsgewinnung dafür, dass Apotheken mehr Schülerpraktika anbieten. In diesem Rahmen könnten die Apothekenteams junge Menschen an den Apothekenalltag heranführen und die Begeisterung für den eigenen Beruf weitertragen. Die Ausweitung von Studienplätzen sei ihrer Meinung nach schwierig, aber die Ausbildungsplätzen an PTA-Schulen müssen besser beworben und ausgelastet werden. Fedders wies darauf hin, dass die BAK auch an der Aktualisierung der Approbationsordnung arbeite. Das Studium müsse attraktiv bleiben. Hoffmann: "Wir bleiben dabei, es muss zügig voran gehen. Die Themen Ausbildung und Nachwuchs liegen uns sehr am Herzen. Wir müssen weiterhin Werbung machen für unseren Beruf. Wir wollen es PTAs einfacher machen, Pharmazie zu studieren. Dazu werden wir der Politik Vorschläge machen." Auf die Frage eines Teilnehmer zur Nachweispflicht in der Fortbildung forderte Fedders: "Wir brauchen die Nachweispflicht! Wir werden innerhalb der BAK sehr bald eine Entscheidung treffen und dann auch öffentlich machen."
Eine klare Absage erteilte Hoffmann der Leitung von Apotheken durch andere Berufsgruppen, wie sie derzeit noch im Gesetzentwurf der Apothekenreform vorgesehen ist. "Die Leitung der Apotheke muss in den Händen der Apothekerinnen und Apotheker bleiben. Befristete Pilotprojekte zur Vertretung durch andere Berufsgruppen lehnen wir aus ordnungsrechtlichen Gründen ab. Daran arbeiten wir intensiv und setzen darauf, dass die Politik das noch einsieht", so Hoffmann. Scharpf: "Es kann nicht sein, das PTA für die bloße Kostenreduzierung missbraucht werden." Auch eine Erprobungsphase einer solchen Vertretung lehnte Müller deutlich ab: "Wenn man etwas testet, dann hat das häufig die Folge, dass man es später unabhängig vom Ergebnis noch ausweitet. Das müssen wir unbedingt verhindern."