Lieferengpässe: ABDA diskutiert in Brüssel über europäische Lösungen
Arzneimittelengpässe stellen in ganz Europa weiterhin ein strukturelles und systemisches Problem da – das zeigt der aktuelle "PGEU Medicine Shortages Report 2025" des Zusammenschlusses der Apotheker in der Europäischen Union (ZAEU, engl. PGEU, frz. GPUE). Aus dem Report geht hervor, dass der durch das Management von Lieferengpässen verursachte Zeitaufwand für das Apothekenpersonal europaweit im Durchschnitt bei 12 Stunden in der Woche liegt. Im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Anstieg (2024: 10,6 Stunden).
Vor diesem Hintergrund nahm die ABDA an der ZAEU‑Veranstaltung "Keeping medicines available" (3. März 2026) im Europäischen Parlament in Brüssel teil. Ziel war es, mit europäischen Gesetzgebern sowie Vertreterinnen und Vertretern der Industrie über Ursachen und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Für die ABDA waren der Leiter der Europadelegation, Mathias Arnold, und Lukas Schaefer, Referent der ABDA‑Europavertretung, vor Ort.
Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die zunehmenden Belastungen für Apotheken, die Engpässe managen, Alternativen bereitstellen und die Versorgung sicherstellen müssen. Mit den Europaabgeordneten Tomislav Sokol und Dolors Montserrat wurden zentrale Ursachen erörtert – darunter globalisierte Wirkstoffproduktion, politische und ökonomische Abhängigkeiten, volatile Lieferketten und Preisbildungssysteme, die häufig nicht marktgerecht sind.
Zu den weiteren Sprecherinnen und Sprechern zählten ZAEU‑Präsident Mikołaj Konstanty, Matthias Blaas (Europäischer Rechnungshof), Ancel la Santos Quintano (The European Consumer Organisation), Agnes Mathieu‑Mendes (Europäische Kommission, DG SANTE) sowie Adrian van den Hoven (Medicines for Europe). Sie betonten die Bedeutung widerstandsfähiger europäischer Lieferketten und einer engen Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie und Berufsstand.
ABDA‑Delegationsleiter Mathias Arnold zog ein positives Fazit: "Die Gespräche haben deutlich gemacht, dass Apotheken als letztes Glied in der Versorgungskette besonders hohe Lasten schultern – organisatorisch, wirtschaftlich und im direkten Kontakt mit den Patientinnen und Patienten." Arnold pochte deshalb auf eine europäische Lösung: "Der europaweite Charakter der Engpässe macht klar, dass nachhaltige Lösungen nur gemeinsam gefunden werden können – nicht zuletzt im Rahmen der Arbeiten zum Critical Medicines Act", so Arnold. Man benötige mehr fachliche Freiheit bei der Substitution und den Abbau bürokratischer Hürden, um kurzfristig Entlastung schaffen zu können.



