Modellvorhaben Grippeschutzimpfungen

Grippeschutzimpfungen in Apotheken

Die Grippe (Influenza) gehört zu den am weitesten verbreiteten saisonalen Krankheiten in Deutschland. Jedes Jahr im Winter greift eine Grippewelle um sich, die regional und lokal unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Auch der zeitliche Verlauf und das Ausmaß der Grippewelle unterscheiden sich von Jahr zu Jahr. Die Grippe verursacht zahllose Arbeitsausfälle und leider auch viele Todesfälle unter älteren oder vorerkrankten Patienten.

Wie bei vielen anderen Viruserkrankungen ist (außer zur Linderung der Symptome wie Fieber und Schmerzen) keine medikamentöse Behandlung, wohl aber eine vorbeugende, jährlich notwendige Impfung gegen bestimmte Virenstämme möglich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert, gegen welche Virenstämme für die jeweils kommende Saison Impfstoffe produziert werden. In Deutschland definiert die Ständige Impfkommission (STIKO) diejenigen Bevölkerungsgruppen, denen eine Grippeschutzimpfung empfohlen wird und die dann auch von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bezahlt wird. Dazu gehören u.a. ältere Menschen, Schwangere, chronisch kranke Patienten oder medizinisches Personal. Auch als Selbstzahler oder beim Betriebsarzt können sich Menschen natürlich impfen lassen.

Allerdings liegen die Impfraten regelmäßig zu niedrig, um einen echten Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt gerade bei älteren Menschen eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent. Dieses Ziel ist auch im nationalen Impfplan für Deutschland festgelegt. Leider wird es bisher bei weitem nicht erreicht. Unter den über 60-Jährigen waren in der Saison 2016/2017 beispielsweise nur knapp 35 Prozent gegen die Grippe geimpft. Um das zu ändern, sollen Grippeschutzeimpfungen testweise auch in Apotheken angeboten werden. In Ländern wie Frankreich hat sich gezeigt, dass das niedrigschwellige Angebot zusätzliche Bevölkerungsschichten anspricht, die keinen Impftermin in der Arztpraxis vereinbaren. Die Rechtsgrundlage dafür ist am 1. März 2020 mit dem Masernschutzgesetz in Kraft getreten. Es legt in § 132j SGB V (Sozialgesetzbuch) fest, dass Apotheker in öffentlichen Apotheken im Rahmen von Modellvorhaben gesetzlich krankenversicherte Menschen gegen Influenza impfen dürfen.

Der DAV beziehungsweise die Landesapothekerverbände verhandeln vielerorts mit Krankenkassen(verbänden) entsprechende Verträge. Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat bereits Materialien für die fachliche Umsetzung von Modellvorhaben entwickelt. Dazu gehören ein Curriculum für die Schulung der Apotheker sowie eine Leitlinie nebst Kommentar, Arbeitshilfen und Formblättern. Die vom BAK-Vorstand im September 2020 verabschiedeten Dokumente können als verbindliche Grundlage für die Durchführung von Grippeschutzimpfungen in Apotheken betrachtet werden.

Zwischenzeitlich sind eine ganze Reihe von Modellvorhaben gestartet oder zumindest vereinbart. Weitere werden voraussichtlich folgen.

Übersicht der Modellvorhaben in den Regionen