Fondaparinux UAW

Heparininduzierte Thrombozytopenie unter Fondaparinux

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) berichtet am 25. Juli 2008 über den Fall einer 48jährigen Patientin, die nach beidseitigem Kniegelenkersatz ab dem ersten postoperativen Tag den Inhibitor des aktivierten Faktor X (Xa) zur Thromboseprophylaxe erhielt (1,2). Sieben Tage später entwickelte sie abdominelle Beschwerden und Flankenschmerzen, die von der Infarzierung beider Nebennieren herrührten. Die Thrombozytenzahl lag nur bei 39.000/µl (Normwert: 140.000 bis 400.000/ µl). Ebenfalls konnte eine tiefe Beinvenenthrombose nachgewiesen werden und das Vorliegen von heparininduzierten Antikörpern gesichert werden. Die Diagnose lautete auf heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT Typ II), bei der Antikörper gegen Komplexe aus Heparin und den Plättchenfaktor 4 (PF4) gebildet werden. Eine vorherige Exposition mit unfraktioniertem oder niedermolekularem Heparin lag nicht vor.


Als Mechanismus wird bei Fondaparinux auch ein leicht abgewandeltes Reaktionsmuster vermutet, bei dem die heparininduzierten Antikörper nicht mit Komplexen aus PF4 und Heparin reagieren, sondern mit Komplexen aus PF4 und endogenen Glucosaminoglykanen auf der Oberfläche von Thrombozyten, so dass es zu einer verzögerten Thrombozytopenie und zu Thrombosen kommt, auch wenn Heparin bereits abgesetzt ist.


Kommt es unter Fondaparinux zu einer heparininduzierten Thrombozytopenie sollte die Therapie umgestellt werden. Fondaparinux induziert die gleichen Antikörper wie Heparin, so dass bei einer Umstellung auf unfraktioniertes Heparin oder niedermolekulares Heparin die unter Fondaparinux gebildeten Antikörper innerhalb von Stunden eine klinisch manifeste HIT verursachen, die sonst erst fünf bis vierzehn Tage nach Beginn der Heparingabe einsetzen würde.


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Literatur

 

1 AkdÄ (2008) Heparininduzierte Thrombozytopenie unter Fondaparinux. 
   Deutsches Ärzteblatt 30: C1370


http://www.akdae.de/20/20/Archiv/2008/20080725.html

 

PZ 31/08