Pressekonferenz: Modellprojekt gegen Medikamentenmissbrauch

Berlin, 19. Mai 2014

Mehr als eine Million Bundesbürger sind abhängig von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Der Ausstieg auf eigene Faust gelingt nur selten. Ein Modellprojekt zeigt: Patienten, die von Medikamenten abhängig sind, schaffen mit Hilfe ihres Apothekers und Hausarztes den ambulanten Entzug innerhalb weniger Wochen. Vor allem Schlafmittel werden oft jahrelang eingenommen, ohne dass sich die Patienten der Risiken bewusst sind. Apotheker können in Kooperation mit Hausärzten den Patienten den Weg aus der Abhängigkeit ebnen und so die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern.

Das Modellprojekt „Ambulanter Entzug Benzodiazepin-abhängiger Patienten in Zusammenarbeit von Apotheker und Hausarzt“ wurde getragen von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Finanziell unterstützt wurde es vom Bundesgesundheitsministerium. Am Modellprojekts nahmen Apothekerinnen und Apotheker aus 46 wohnortnahen Apotheken und 63 Hausärzte teil. Insgesamt wurden 102 Patienten von Apothekern in Abstimmung mit dem jeweiligen Hausarzt beraten. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 71 Jahren, Frauen waren in der Überzahl. Rund die Hälfte der Patienten (46 %) konnte nach Ablauf des Modellprojekts ganz auf Schlafmittel verzichten. Weitere 28 % konnten die Dosis verringern. Das zeigt: Drei von vier teilnehmenden Patienten profitieren von der  berufsgruppenübergreifenden Intervention unmittelbar. Das Ergebnis war zudem nachhaltig: Die meisten Patienten berichteten, nach drei Monaten keinen Rückfall erlitten zu haben oder es war ihnen gelungen, die Dosis noch weiter zu reduzieren.

Verschiedene rezeptpflichtige Schlafmittel werden unter dem Fachbegriff „Benzodiazepine“ zusammengefasst. Diese sind bei bestimmungsgemäßer Anwendung wirksame und sichere Medikamente. Bei längerfristiger Anwendung kommt es zur Gewöhnung. Dadurch steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen, z. B. Stürzen aufgrund der muskelerschlaffenden Wirkung sowie der verminderten Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit.

Ihre Gesprächspartner waren:

  • Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer
  • Dr. Christiane Eckert-Lill, Geschäftsführerin Pharmazie der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
  • Dr. Ernst Pallenbach, Projektleiter, ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
  • Dr. Rüdiger Holzbach, Chefarzt der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt