Düsseldorf, 18. September 2013

DAV-Vorsitzender Becker: Krankenkassen müssen vorwärtsgewandt sein und handlungsfähig werden

Die Krankenkassen müssen sich wieder auf ihre eigentliche Rolle im Gesundheitswesen besinnen – und zwar als vorwärtsgewandte und handlungsfähige Partner der Selbstverwaltung, die das Wohl der Patienten im Auge behalten. Das fordert Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), bei der heutigen Eröffnung der pharmazeutischen Fachmesse „expopharm“: „Wir Apotheker sind ein entschlossener, aber auch lösungsorientierter Verhandlungspartner, der eine starke Selbstverwaltung befürwortet.“ Fehlende Austauschverbote für sensible Wirkstoffe oder Ausschreibungen für Impfstoffe seien Beispiele für mangelnde Patientenorientierung der Kassen. „Lassen Sie selbstbewusst Ihren pharmazeutischen Sachverstand walten“, appellierte Becker an seine Berufskollegen: „Wir Apotheker sind die Arzneimittelfachleute, nicht die Sachbearbeiter der Krankenkassen.“

„Jüngstes Beispiel ist die Blockade des Rahmenvertrags zu § 129 SGB V mit den bereits gefundenen Lösungen zu den Nullretaxationen“, so Becker. Apotheker dürfen schwerkranke Patienten nämlich nicht versorgen, wenn Formfehler auf Rezepten zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorliegen. „Alles war verschriftlicht und in den Verhandlungen konsentiert. Und wieder macht der GKV-Spitzenverband eine Kehrtwendung und verweigert seine Unterschrift.“ Auch für die im Rahmenvertrag zu vereinbarenden Austauschverbote hatte der DAV eine Liste mit 20 sensiblen Wirkstoffen vorgelegt, die GKV selbige jedoch abgelehnt. „Wieder einmal ging es der GKV hier nicht um das Wohl der Patienten, sondern allein um die wirtschaftlichen Interessen einzelner Krankenkassen mit ihren Rabattverträgen.“ Dabei hatte sogar der Gesundheitsausschuss des Bundestages diese Liste einhellig gefordert.

„Das Thema ‚Rabattverträge‘ hat nichts von seiner Brisanz verloren“, sagt Becker. „Wir kämpfen dafür, dass der Einsatz dieses Instrumentes auf ein erträgliches und sinnvolles Maß zurückgeführt wird.“ Ganz besonders fordert Becker ein Ende der Ausschreibungen in der Impfstoffversorgung. „Impfstoffe sind Arzneimittel der besonderen Art. Bei Ausschreibungsverfahren für Impfstoffe können Produktionsausfälle nicht ausgeglichen werden, da keine ausreichenden Reserven vorhanden sind.“ Becker weiter: „Leider gibt es wieder Berichte über verspätet gelieferten Grippeimpfstoff. Das Desaster des Vorjahres droht sich zu wiederholen. Wer Ineffizienzen und regionale Egoismen im Gesundheitswesen sucht, hier kann er sie finden. Einige Krankenkassen sind nicht zur Einsicht in der Lage.“