Berlin, 03. Februar 2017

ABDA-Präsident Schmidt ruft Patienten zur Teilnahme an Unterschriftenaktion für Apotheke vor Ort auf

© ABDA/Wagenzik

Das letzte Drittel der auf siebzig Tage angelegten Unterschriftenaktion zum Erhalt der flächendeckenden Arzneimittelversorgung in Deutschland bricht an: Schon seit 20. Dezember und noch bis 1. März bitten Deutschlands Apotheken ihre Patienten um Unterstützung für den Fortbestand des Apothekenwesens, das nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zugunsten ausländischer Versandhändler im Herbst gefährdet ist. "Tausende Kolleginnen und Kollegen sprechen täglich mit ihren Patienten und sammeln Unterschriften. Sie erfahren dabei viel positive Resonanz. Die Patienten haben Vertrauen in die Apotheke und dokumentieren das auch mit ihrer Unterschrift", sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: "All diejenigen, die noch nicht unterschrieben haben, bitte ich: Machen Sie mit, gehen Sie in die Apotheke, unterschreiben Sie! Auch Sie profitieren davon, selbst wenn Sie die Dienste von Apotheken nur selten in Anspruch nehmen müssen. Wenn Sie das nächste Mal nachts dringend ein Medikament benötigen und wir für Sie da sind, werden Sie es merken. Wenn es für Ihre Therapie keine Fertigarzneimittel gibt und wir eine Rezeptur speziell für Sie herstellen, werden Sie froh sein."

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte am 19. Oktober 2016 entschieden, dass ausländische Versandhändler sich nicht mehr an die hiesige Arzneimittelpreisverordnung halten müssen, wenn sie Patienten in Deutschland mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln versorgen. Zu Lasten der Versichertengemeinschaft bieten diese nun einzelnen Patienten Boni für Rezepte an und entfachen einen Preiswettbewerb, der den Fortbestand gerade kleiner Apotheken am Stadtrand und auf dem Land gefährdet. Zur Sicherung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung hat das Bundesgesundheitsministerium deshalb im Dezember einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Versandhandel mit ärztlich verordneten Medikamenten verbieten soll, wie dies bereits in 21 von 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union geltende Rechtslage ist. Noch hat der Entwurf aber im Bundestag keine gesicherte Mehrheit. Mit der Unterschriftenaktion im Rahmen der Kampagne "Gesundheitssystem in Gefahr!" stellen sich Patienten und Apotheker hinter das Gesetzesvorhaben.

Täglich versorgen die 20.000 Apotheken in Deutschland rund 3,6 Millionen Menschen. Jeden Tag werden 250.000 Botendienste erbracht, jede Nacht leisten 1.300 Apotheken ihren Notdienst.