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Berlin/Schladming, 23. Januar 2019

Metabolisches Syndrom ist eine ‚Zeitbombe‘

Das ‚metabolische Syndrom‘ oder ‚Insulinresistenz-Syndrom‘ ist eine gleichermaßen bedrohliche wie verbreitete Erkrankung. Die Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Fett- und Blutzuckerwerten steigert das Risiko für Diabetes und insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch. „Unbehandelt ist es auch heute noch eine Zeitbombe“, sagte Dr. Eric Martin beim pharmacon, einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer. Der Apotheker leitet eine öffentliche Apotheke in Marktheidenfeld und lehrt Klinische Pharmazie an der Universität Würzburg.

Das metabolische Syndrom ist mehr als nur eine Vorstufe von Diabetes. Durch die Störung kommt es zu einer Bündelung von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen, die das Auftreten von Arteriosklerose-Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gefäßverschluss frühzeitig und deutlich begünstigen. Folgeschäden des Diabetes treten dagegen meist erst viel später auf, unter anderem an der Niere, den Augen oder den Nerven.

Martin: „Übergewicht ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Besonders bei einer Fettverteilung vom ‚Apfel-Typ‘ handelt es sich um eine lokale Entzündung. Das Fettgewebe bildet Entzündungsbotenstoffe, die sich negativ auf den ganzen Körper auswirken.“ Das Syndrom ist die Folge eines schädlichen Lebensstils. Folglich ist auch bei der Behandlung eine Lebensstiländerung die unverzichtbare Grundlage, also gesündere Ernährung, Gewichtsreduktion und mehr Bewegung. „Aber das ist vielen Patienten zu lästig, insbesondere dann, wenn die Zusammenhänge nicht verstanden werden und der Leidensdruck fehlt. Der Griff zum Medikament ist oft bequemer – wirkt aber nur gegen einzelne Aspekte des Syndroms. Hier müssen Ärzte und Apotheker noch viel Aufklärungsarbeit leisten.“

Wichtigste Folge der entzündlichen Fettleibigkeit und damit Auslöser des metabolischen Syndroms ist eine Insulinresistenz: Dadurch werden wesentliche Wirkungen des körpereigene Hormons Insulin an Muskel- und Leberzellen sowie an anderen Organen gestört. Zunächst kann der Körper dies selbst korrigieren, indem er immer mehr Insulin herstellt. Martin: „Langfristig vertagt dieses Überangebot von Insulin nur die Diabetes-Entstehung, begünstigt aber gleichzeitig Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Arteriosklerose. Je früher dieser Kreislauf unterbrochen wird, desto mehr lassen sich die schädlichen Folgen für die Gesundheit vermeiden.“

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