19. Februar 2013

8/13 Information: Rhabdomyolyse nach Isotretinoin und körperlicher Anstrengung

Information

Rhabdomyolyse nach Isotretinoin und körperlicher Anstrengung

AMK / Die AkdÄ informiert in einer Mitteilung im Deutschen Ärzteblatt über eine Rhabdomyolyse nach Isotretinoin (1). Anlass dazu gab der Fall eines jungen Mannes, der im Jahr 2009 in Folge einer schweren Myopathie verstarb. Dieser wurde wegen einer mäßigen bis teils schweren Akne nach Versagen einer Therapie mit lokal appliziertem Benzoylperoxid/Clindamycin sowie peroralem Minocyclin im November 2008 auf orales Isotretinoin 40 mg täglich und topische Azelainsäure, umgestellt.

Vier Monate später klagte der Patient über starke Muskelschmerzen nachdem er sportlich aktiv war. Kurze Zeit nach der Rückbildung der Symptome trat er eine Asienrundreise an, die mit erheblichen körperlichen Strapazen verbunden war. Aufgrund einer zunehmenden Verschlechterung seines Allgemeinzustandes reiste er vorzeitig zurück. Im Rahmen der sofortigen stationären Aufnahme zeigte sich unter anderem eine stark erhöhte Kreatinkinase (82098 U/l), Myoglobin im Urin, beginnendes Nierenversagen (Kreatin: 1,6 mg/dl) und eine metabolische Azidose. Zusätzlich waren Transaminasen und das C-reaktive Protein deutlich erhöht, und im EKG zeigte sich eine ST-Streckenhebung. Wegen des radiologischen Verdachts auf eine Pneumonie erfolgte die Therapie mit einem Antibiotikum. Im weiteren Verlauf stellte sich zunächst eine Besserung seines Zustandes ein. Wenig später klagte der Patient über Schwindelgefühl und musste nachfolgend unerwartet wiederbelebt werden. Das EKG ergab anfangs eine ventrikuläre Tachykardie, die in eine Asystolie überging. Die Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die postmortale Diagnostik bestätigte eine schwere Rhabdomyolyse mit Beteiligung des Herzmuskels. Da sich trotz umfangreicher Diagnostik keine anderen Ursachen feststellen ließen, wurde die Rhabdomyolyse auf die Kombination von Isotretinoin und starker körperlicher Belastung zurückgeführt.

Laut Angaben der AkdÄ sind sowohl in der Literatur als auch in der Datenbank des deutschen Spontanmeldesystems Einzelfälle von Rhabdomyolysen im Zusammenhang mit der Gabe von Isotretinoin beschrieben, obwohl diese Nebenwirkung in den Fachinformationen bislang nicht erwähnt ist (2). Allerdings wird darauf hingewiesen, dass Myalgien, Arthralgien und erhöhte Serumkreatinwerte besonders bei Patienten auftreten können, die erheblichen körperlichen Anstrengungen ausgesetzt sind.

Die AkdÄ empfiehlt daher Patienten, die mit Isotretinoin behandelt werden, über die Gefahr und Warnsymptome einer Rhabdomyolyse aufzuklären, insbesondere bei sportlicher Betätigung. Ergänzend zu anderen laborchemischen Untersuchungen sollten auch die Kreatinkinase in regelmäßigen Abständen überprüft sowie potentiell myotoxische Arzneimittel (wie zum Beispiel Statine, Glucokortikoide oder Penicillamin) nicht gleichzeitig zu Isotretinoin verabreicht werden. /

Quellen
(1) Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, aus der UAW-Datenbank, Rhabdomyolyse nach Isotretinoin, Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 110, Heft 6, 8. Februar 2013
(2) Fachinformation Aknormin® Weichkapseln, Almirall Hermal GmbH, Stand: Dezember 2010