27. August 2013

35/13 Information: Rote-Hand-Brief zu Filgrastim (Neupogen®) und Pegfilgrastim (Neulasta®): Risiko von Kapillarlecksyndrom

Information

Rote-Hand-Brief zu Filgrastim (Neupogen®) und Pegfilgrastim (Neulasta®): Risiko von Kapillarlecksyndrom

AMK / Die Firma Amgen GmbH informiert in Abstimmung mit der EMA und dem BfArM in einem Rote-Hand-Brief über das Risiko eines Kapillarlecksyndroms (capillary leak syndrome, CLS), welches assoziiert ist mit der Anwendung von Pegfilgrastim und von Filgrastim bei Krebspatienten nach Chemotherapie. Zusätzlich wurde unter Filgrastim bei einem gesunden Blutstammzell-Spender das CLS beobachtet (1).

Bei einem Kapillarlecksyndrom kommt es durch eine stark erhöhte Permeabilität der Kapillargefäße zu einem massiven Austritt von Plasma in das Interstitium. Infolgedessen treten Intervalle eines schweren hypovolämischen Schocks mit generalisiertem Ödem, Hypotonie, Hypoalbuminämie und Hämokonzentration auf. Die Episoden dieses schweren Krankheitsbildes variieren hinsichtlich Häufigkeit und Schweregrad und können auch tödlich verlaufen. Der Mechanismus, der unter der Anwendung der Granulozyten-koloniestimulierenden Faktoren zum CLS führt, ist unklar.

Für Filgrastim liegen weltweit insgesamt 34 Berichte über CLS nach Markteinführung, im Zeitraum von April 1991 bis August 2012, vor. Von diesen betraf ein Fall einen gesunden Spender, der sich einer Stammzellmobilisierung mit Apherese unterzog. In 12 Fällen zeigte sich eine Verbesserung des Ereignisses nach Absetzen von Filgrastim inklusive supportiver Therapie oder der Gabe von Glucocorticoiden. In 6 Fällen verlief das Kapillarlecksyndrom tödlich. In der Mehrzahl der Fälle traten CLS-Symptome nach der ersten Dosis von Filgrastim auf. In zwei Fällen traten die Symptome sowohl nach der ersten Dosis als auch bei der erneuten Anwendung mit der zweiten Dosis wieder auf.
Für Pegfilgrastim liegen weltweit insgesamt 4 Berichte über CLS nach Markteinführung, im Zeitraum von August 2002 bis August 2012, vor. In zwei Fällen traten CLS-Symptome nach der zweiten Dosis von Pegfilgrastim auf. In einem dieser Fälle trat CLS einen Tag nachdem Pegfilgrastim verabreicht wurde auf, was einen zeitlichen Zusammenhang nahelegt. In einem anderen Fall verlief das Kapillarlecksyndrom tödlich.

Alle genannten CLS-Fallberichte wurden jeweils nach der Markteinführung von Filgrastim bei über 8,5 Millionen Patienten und von Pegfilgrastim bei 4 Millionen Patienten beobachtet. Die Berichte bezogen sich im Generellen auf Patienten mit fortgeschrittener maligner Erkrankung, Sepsis, Patienten, die multiple Chemotherapeutika erhalten, oder die sich einer Apherese unterzogen hatten.

Patienten und gesunde Spender, die mit Filgrastim und Pegfilgrastim behandelt werden sollen, müssen engmaschig bezüglich CLS überwacht werden und unverzüglich ihren Arzt konsultieren, wenn sich folgende Symptome (häufig gekennzeichnet durch sehr schnelles Auftreten) entwickeln: allgemeine Schwellungen, Aufquellung (welche verbunden sein können mit seltenerem Wasserlassen), Atembeschwerden, Schwellung im Bereich des Bauchraumes und Müdigkeit. Wenn diese Symptome auftreten, muss sofort eine symptomatische Standardtherapie, die auch eine intensivstationäre Behandlung einschließen kann, eingeleitet werden.
Die Produktinformationen von Filgrastim (Neupogen®) und Pegfilgrastim (Neulasta®) werden mit diesen sicherheitsrelevanten Informationen, Warnhinweisen und Empfehlungen aktualisiert. Die Texte hierzu sind auf der Website des BfArM veröffentlicht (1).

Bitte melden Sie alle Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Filgrastim- und Pegfilgrastim-haltigen Arzneimitteln an die AMK (www.arzneimittelkommission.de). /

Quelle:
(1) BfArM; Rote-Hand-Brief zu Neupogen® (Filgrastim) und Neulasta® (Pegfilgrastim): Risiko von Kapillarlecksyndrom. unter: www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/2013/rhb-neupogen-neulasta.html (26. August 2013)