Apothekenschließungen in den USA

Forscher um Jenny Guadamuz von der Universität Illinois haben Trends bei Schließungen öffentlicher Apotheken in den USA zwischen 2009 und 2015 analysiert. Insbesondere haben sie analysiert, welche Eigenschaften der Apotheken, des Umfeldes und des Marktes mit den Schließungen in Verbindung stehen. Es zeigte sich, dass die Anzahl der Apotheken in den untersuchten Jahren um 7,8 Prozent angestiegen ist. Dennoch waren 12,8 Prozent aller Apotheken, die zu einem Zeitpunkt der Analyse aktiv waren, am Ende des Untersuchungszeitraumes 2015 geschlossen. Das Risiko einer Schließung war bei Apotheken in urbanen Lagen deutlich höher als im ländlichen Raum. Auch war die Wahrscheinlichkeit einer Schließung bei unabhängigen Apotheken deutlich höher als beispielsweise bei Filialen von Apothekenketten, unabhängig des Standortes. An urbanen Standorten waren darüber hinaus insbesondere Apotheken von Schließungen betroffen, die primär Menschen mit geringem Einkommen, sowie Menschen ohne Krankenversicherungsschutz oder mit Versicherungsschutz durch staatliche Programme versorgen. Ein Zusammenhang dieser Risikofaktoren mit Schließungen an ruralen Standorten konnte nicht festgestellt werden. Bisherige Bemühungen zur Vermeidung von Schließungen von Apotheken in den USA konzentrieren sich auf Standorte im ländlichen Raum. Die Studie legt jedoch nahe, dass Standorte mit einer Bevölkerung mit geringem Einkommen in städtischen Gebieten größeren Risiken ausgesetzt sind. Die Forscher*innen empfehlen daher, dass Maßnahmen gegen Schließungen Honorarreformen in Betracht ziehen sollten, insbesondere auch für Produkte, die über die Krankenversicherungsprogramme Medicare und Medicaid verordnet werden. Auch solle die Position unabhängiger Apotheken gestärkt werden, insbesondere in Städten. Es gebe einen Zusammenhang zwischen Nonadhärenz und Apothekenschließungen. Dieser sei stärker, wenn Patient*innen unabhängige Apotheken nutzen und diese schließen. (Text: Christine Herber, Geschäftsbereich Ökonomie)